Was schrieb die Presse über die Gartenzwerge?

Zoff im Reich der Zipfelmützen

Gräfenroda/Chemnitz (ap) Im Reich der Zipfelmützen hängt der Haussegen schief: Stein des Anstoßes ist eine weibliche Variante der altbewährten Gartenzwerge.

"Gräfin Roda" bringt Stimmung ins Blumenbeet

 

Dass im thüringischen Gräfenroda Firmenchef Reinhard Griebel eine Gartenzwergin mit roter Zipfelmütze herstellt, sorgt bei der "Internationalen Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge" mit Sitz in Basel für Empörung. Und für einen (nicht bierernst zu nehmenden) Streit beim Kongress der Vereinigung, der am Samstag in Chemnitz zu Ende ging.

Griebel, der schon seit zwei Jahren die Gartenzwergin "Gräfin Roda" produziert, hatte zunächst eine Abmahnung vom Präsidenten der Vereinigung, Fritz Friedmann, erhalten. Er zahlte die verlangten 75 Euro Strafe, doch auf dem Kongress der 300 Mitglieder starken Vereinigung brach er erneut einen Streit vom Zaun: Er verlangte eine "einstweilige Duldung" seiner Schöpfung.

Für Friedmann ist Griebel nun ein "Schänder der Gartenzwerg-Ehre". Sei es denn nicht ein großer Vorzug gewesen, dass es mehr als ein Jahrhundert nur männliche Gartenzwerge gegeben habe, fragte der Präsident polternd? Die Zwerge seien unter sich friedlich, freundlich und deshalb ein Vorbild für alle. "Unvorstellbar, dass nun auch Frauen mitmischen könnten", empörte sich der Präsident aus Basel.

"Wenn ich nicht fürchten müsste, dass der Schweizer Botschafter in Deutschland, Thomas Borer, womöglich Gefallen an einer Gartenzwergin mit üppigen Formen fände, hätte ich ihn schon längst darum gebeten, diese Frage auf diplomatischem Wege zu lösen", sagte Friedmann, der Professor der Nanologie ist (nanus bedeutet Zwerg auf Lateinisch). Und augenzwinkernd dozierte er "mit 100 Prozent Ernsthaftigkeit und mit 100 Prozent Humor", dass die Gartenzwerge zur Fortpflanzung keine Frauen bräuchten . . .

Das weiß Griebel auch, ist er doch schließlich letzter Spross der Gründerfamilie einer Gartenzwerg-Fabrik. Sein Urgroßvater, Philipp Griebel, gehörte zu den Ziehvätern des deutschen Gartenzwergs. Aus seiner 1874 gegründeten Firma im thüringischen Gräfenroda kamen vermutlich die ersten rot bezipfelten Exemplare aus Terrakotta.

Ein 100 Jahre altes Prachtexemplar just aus der Griebel'schen Manufaktur wurde auf dem Chemnitzer Gartenzwerg-Kongress zum schönsten unter 1200 gezeigten Wichteln gekürt. Zudem wurden vier Entwürfe aus Kinderhand für einen Giftzwerg prämiert.

Außerdem schloss der Kongress, an dem 1500 Zwergenfreunde teilnahmen, ganz ohne Rücksicht auf den Zoff an der Spitze mit einem Plädoyer für die Zweisamkeit in Beet und Gras: Eine Frau für jeden Gartenzwerg gehörte zu den Forderungen der Teilnehmer ebenso wie die, dass die Wichtel nur bis 17 Uhr im Freien stehen sollten. Ebenfalls auf dem Wunschzettel der Zipfelmützen-Väter und -Mütter: mehr Sonnentage für ihre Lieblinge und ein Führerschein für Rasenmäher.

ap - 03. März 2002

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