Was schrieb die Presse über die Gartenzwerge?

Internationaler Verein schützt Gartenzwerge

Trusetal - Er ist keine 70 Zentimeter groß, hat eine Zipfelmütze auf dem Kopf, eine Schürze um den Bauch: Der Gartenzwerg. Seine Freunde lieben ihn als Schmuck für jeden Vorgarten und als "Skulptur des kleinen Mannes" - seinen Feinden gilt er dagegen als tönerne Ausgeburt des Kitschs. Die "Internationale Vereinigung zum Schutze der Gartenzwerge" mit weltweit knapp 300 Mitgliedern will dennoch weiter für seine bedingungslose Anerkennung kämpfen.

"Wir müssen die Zwerge gegen Kriminalität und gegen den Mißbrauch schützen", sagt der Präsident der Vereinigung, Fritz Friedmann.

Friedmann weiß von haarsträubenden Fällen zu erzählen. In Berlin sei ein Gartenzwerg als Geisel genommen worden. Erst gegen die Bezahlung von Lösegeld sei der Schlüssel für sein Gefängnis, ein Bahnhofsschließfach, herausgegeben worden.
Auch in der Werbung wird der kleine Wicht mit dem grauen Bart häufig mißbraucht. "Wenn ein Kondomhersteller mit einem Gartenzwerg als Lockmittel auf der Packung aufwartet, das ist verdammenswert". In Frankreich, das derzeit einen Gartenzwerg-Boom erlebt, hat sich sogar eine Befreiungsfront für das Märchenwesen gebildet. Diese Leute wollen die Zwerge aus den Vorgärten holen und im Wald in Freiheit aussetzen.


Beleidigung
Selbst in der Politik werde viel Schindluder mit den tönernen Gesellen getrieben, klagt Friedmann, der am Mittwoch der Eröffnung eines Zwergenparks im thüringischen Trusetal beiwohnt. 450 Gartenzwerge seien in Potsdam zum Schein vereidigt worden, um eine Bundeswehr-Zeremonie lächerlich zu machen. "Wenn einer den Bundeskanzler als politischen Gartenzwerg bezeichnet, dann ist das eine Beleidigung für den Gartenzwerg", sagt der 83jährige, der sich seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigt und selbst den Titel "Professor der Nanologie", der Zwergenkunde, führt.
Die Entstehung des kleinen Phänomens geht vermutlich auf den Bergbau zurück - die kleinen Wesen waren ein Erklärungsversuch für die Arbeit in den engen Stollen. "Deshalb haben viele auch eine Laterne in der Hand", sagt der Experte.


Sogar am Nordpol?
Die Wiege der heute weltweit rund 25 Millionen Gartenzwerge steht im Thüringer Wald. Vor 126 Jahren wurde in einer Terracotta- Manufaktur in Gräfenroda (Kreis Gotha) die erste Serie der tönernen Figuren gefertigt. Von dort aus begann auch ihr internationaler Siegeszug. Heute stehen die Gnome nicht nur millionenfach in deutschen Gärten, sondern auch im europäischen Ausland und in Übersee. Sogar am Nordpol wähnt Friedmann eines seiner Forschungsobjekte, denen er den wissenschaftlichen Namen "nanus hortorum vulgaris" (gemeiner Gartenzwerg) gegeben hat.

"Unartige" Zwerge haben keine Mütze
Heute produzieren nur noch eine Handvoll Hersteller den beseelten, also tönernen, Gartenzwerg. Doch auch gegen die Plastiknachbildungen hat Friedmann nichts einzuwenden. "Die Einführung der Plastikzwerge in den 60er Jahren brachte die Chance, daß auch Kinder damit spielen können". Wichtig für den Zwergen-Wissenschaftler ist jedoch, daß sein Forschungsobjekt "artig" ist. "Er muß eine Zipfelmütze haben, eine Schürze und derbe Schuhe", erklärt Friedmann die Kriterien. "Unartige" Zwerge haben keine Mütze, ein anderes Körperteil entblößt oder sind gar als weiblicher Zwerg zu erkennen. "Das ist das abscheulichste", sagt Friedmann mit Grausen.

Rheinzeitung - 10. April 1998

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