Was schrieb die Presse über die Gartenzwerge?

Die Zwerge haben ihn gross gemacht

Er wollte nur Witze reissen. Doch daraus wurde Ernst. Heute ist Fritz Friendmann weltweit anerkannter Experte für Gartenzwerge. Er kennt deren Leben, Lieben und Leiden wie kein Zweiter.

Alles begann mit einem harmlosen Scherz. Als in einer heiteren Runde das Gespräch auf Gartenzwerge kam, gab sich Fritz Friendmann als Experte aus. Er schwadronierte über Details und prahlte mit Fakten - ohne in Wirklichkeit irgendetwas über Gartenzwerge zu wissen. Der Witz sass. Friedmanns Freunde krümmten sich vor Lachen über die erfundenen Zwergengeschichten. Das war vor 35 Jahren.

Doch dann wurde Fritz Friendmann die Zwerge, die er rief, nicht mehr los. Er erhielt immer öfter Zuschriften von Gartenzwerg-Haltern, die dem vermeintlichen Fachmann Fragen stellten. Friedmann hatte nicht den Mut, die Zwergbesitzer zu enttäuschen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich seriös mit dem Thema auseinander zu setzen. Er durchforstete Bibliotheken, informierte sich bei Besitzern und Herstellern und unterhielt sich mit Germanisten und Philologen. Sein Wissen schrieb er nieder. 1994 erschien sein Werk: «Zipfel auf! Ein rein wissenschaftliches Lehr- und Lesebuch».

Heute nennt sich Fritz Friendmann «prof. nan.», was so viel heisst wie Professor der Nanologie, die Wissenschaft vom Gartenzwerg, die er kurzerhand selber ins Leben gerufen hat. Eine Disziplin, die zu hundert Prozent aus Ernst und zu hundert Prozent aus Witz besteht, wie Friedmann voller Ernst doziert.

Zwerge haben nichts zu lachen

Je länger sich Fritz Friendmann, 89, mit der Materie beschäftigte, desto mehr erkannte er, dass die Zwerge hinter ihrer fröhlichen Fassade wenig zu lachen haben. Die Population ist zwar nicht vom Aussterben bedroht - Friedmann schätzt, dass sich immer noch etwa zwei Millionen in den Schweizer Gärten tummeln. Sie werden aber oft von Frevlern verletzt oder gar entführt.

Lösegeldforderungen für Zwerge sind Fritz Friendmann keine bekannt. Er wisse aber, wie traurig die Besitzer seien, wenn ihren Schützlingen etwas zustosse. Denn Gartenzwerge, weiss der Professor, seien mehr als nur Figuren. «Es sind gutmütige Lebewesen und für manche gar wie gute Freunde.» Deshalb hat Fritz Friendmann für das «friedlichste Volk auf Erden» die Internationale Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge gegründet.

Über Nacht berühmt

Das hat ihn auf einen Schlag berühmt gemacht. Über 60 Fernsehstationen haben bereits einen Beitrag über ihn ausgestrahlt - von Frankreich über die Vereinigten Staaten bis nach Japan. Zwar kann Fritz Friendmann über solcherlei Popularität selber am besten lachen. Trotzdem sind ihm seine zipfelmützigen Freunde ans Herz gewachsen.

In seiner Stadtwohnung nahe am Basler Bahnhof - ohne Garten notabene - finden sich überall Gartenzwerge. In einem Zimmer hat er ein kleines Museum eingerichtet. In Vitrinen stehen dicht an dicht Gartenzwerge aus verschiedenen Materialien: aus Ton, Plastik, Stoff, Holz, auf Porzellanteller aufgemalte und unartige, die nur leicht bekleidet sind.

Und welches ist sein liebster Gartenzwerg? «Pascal», antwortet Fritz Friendmann, ohne einen Moment zu zögern. Er zeigt auf einen alten Tonzwerg mit abgewetzter blauer Zipfelmütze. «Er sieht besonders liebevoll aus.» Zudem sei er nie restauriert worden und sehe deshalb aus wie eh und je.

Auch in Friedmanns Leben ist noch alles beim Alten; obwohl er schon seit Jahren pensioniert ist, arbeitet er weiterhin als Journalist und investiert viel Zeit in sein Zwergenhobby. Sechsmal jährlich gibt er die «Gartenzwerg-Gazette» heraus und betreut seine Homepage www.zipfelauf.com.

Seinen Witz von damals hat er bis heute nie bereut.

Schweizer Familie - 01. April 2004

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