Was schrieb die Presse über die Gartenzwerge?

"In Wirklichkeit tun sie überhaupt nichts"

Auch Gartenzwerge haben Rechte. Ihr Fürsprecher ist Fritz Friedmann, selbsternannter Professor für Nanologie und Humor.

Mit Fritz Friedmann sprach Ulrike Hark

Herr Friedmann, Ihre Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge hat einen klaren Kodex. Warum darf ein "artiger" Zwerg nicht grösser sein als 68 Zentimeter?

Durch diesen Paragraphen des Codex nanonicus wird der Kleinheit die Ehre erwiesen. Ab 69 Zentimeter sprechen wir von einer Gartenfigur und nicht mehr von einem Gartenzwerg.

Der Kodex besagt auch, dass es keine weiblichen Zwerge gibt. Wie muss man sich denn die Fortpflanzung vorstellen?

Unsere nanosexologische Fakultät hat im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Theorien zu dieser Frage erarbeitet; keine aber konnte durch die Realität bewiesen werden.

Gartenzwerge sind typische Vertreter des Kleinbürgertums. Sie aber betonen stets, Zwerge seien Weltbürger und bekennende Europäer. Ein Widerspruch?

Früher hat man den Gartenzwerg als typischen Vertreter des Kleinbürgertums bezeichnet. Gegenwärtig ist er aber in den Gärten aller Schichten ein gerngesehener Gast, ja Freund.

Im deutschen Gartenzwergmuseum in Rot am See ist kürzlich das Monument "Euro-Gnom" eingeweiht worden. Da können die Schweizer Zwerge doch nicht einfach abseits stehen.

Die Vereinigung der Europa-Gnome umfasst mehr Länder als die EU. Die Schweizer Gartenzwerge sind in erster Linie Weltbürger, zweitens Europäer und drittens Schweizer (Ausnahme: Die Gnomen von Zürich).

Was tun Gartenzwerge am liebsten?

Ehrlich gesagt: gar nichts! Sie scheinen etwas zu tun, in Wirklichkeit aber tun sie überhaupt nichts.

Werden Zwerge heute älter als vor 100 Jahren, oder ist ihre Lebensdauer kürzer?

Beseelte Zwerge (aus Keramik) können 60 Jahre alt werden, unbeseelte (aus Kunststoff) theoretisch 100 Jahre. In der Praxis werden sie als Opfer der Witterung, mangelhafter Pflege und gestiegener Mobilität aber kaum älter als 15 Jahre.

Die Gärten werden immer mehr von Plagiaten unterwandert. Der Gartenzwerg aus Kunststoff verdrängt die handbemalte Ton-Population.

Die Beseelten können die Nachfrage einfach nicht mehr befriedigen. Es gibt kaum noch Leute, die für die artgerechte Bemalung ihr Bestes geben. Plastikware aus Osteuropa, Fernost oder Lateinamerika - aber sogar Keramikzwerge - wird heute leider meist gespritzt.

Was halten Sie von Zwergen, die zum Absurden neigen? "Nachbars Opfer" zum Beispiel, der gemeuchelte Zwerg, oder Exemplare, die sich zu unmoralischen Handlungen hinreissen lassen?

Abartig!

1981 haben Sie aus einem Basler Fasnachtsscherz heraus die Vereinigung zum Schutz der Gartenzwerge gegründet. Inzwischen ist daraus eine ernste Sache geworden. Was unterscheidet die reale Gartenzwergwelt von der irrealen?

Die Nanologie (Wissenschaft von Gartenzwergen) hat dies im Lehrbuch "Zipfel auf!" formuliert. Bitte nachlesen.

Wären Sie selber gern ein Gartenzwerg?

Ich wäre es nicht nur gerne, ich war schon einer. Zwischen der 13. und 14. Reinkarnation.

Wie sehen Ihre Ziele für die Zukunft aus? Braucht es zum Beispiel längere Grünphasen auf Fussgängerstreifen? Ebenerdige Einstiege im öffentlichen Verkehr? Kleinere Portionen in Restaurants?

Mittelfristig erstreben wir weltweit die Anerkennung der Gartenzwerge als Minorität mit den ihr zustehenden Rechten. Kurzfristig fordern wir mehr Rücksicht gegenüber unseren Schutzbefohlenen - auch im Verkehr. Für Food and Beverage sind unsere Rotmützen schon selbst besorgt. In diesem Sinne - Zipfel auf!

Tages Anzeiger - 30. Mai 1998

Zurück zum Presse-Archiv